Umwelt Vortrag Johann Bauch in Offendorf

Wie lange duldet die Natur unser rücksichtsloses Verhalten noch und wann schlägt sie zurück, lautet die bange Frage? Wir brauchen wieder mehr Natur, so der Umweltpädagoge Johann Bauch aus Eichstätt, zu Beginn seines Vortrags im Vereinsbahnhof Offendorf. Davon ist in den letzten Jahren sehr viel verloren gegangen. Unsere Felder und Gärten sollen wieder Heimat für Bienen, Schmetterlinge und Insekten werden. Hier stellt sich die Frage: Wie viel kahlgeschorenen Rasen braucht der Mensch? Unsere Gärten sind oft nur noch Lebensraum für Rasenmäher. Gerade in neuen Baugebieten finden wir oft Bienen, Schmetterling und vogelfreie Gärten. Hier treffen wir neuerdings sehr oft Pflaster und zunehmend sterile Schotterbeete, da gibt es keinen Platz und nichts zu fressen für Insekten und Vögel. Hier fehlt der naturgemäße Garten und eine Fließband Tracht mit Nahrung für Insekten und Tiere über das ganze Jahr. Nur die Honigbiene hat Futterreserven für eine kurze trachtlose Zeit. Andere wichtige Insekten, wie Hummeln und Solitärbienen haben keine Vorräte und geraten selbst bei kurzer fehlender Tracht in Existenznot. Wir sollten bedenken, dass 85 % der Erträge aus Landwirtschaft, Gärtnerei und Obstbau weitgehend von der Bestäubung durch die Honigbienen abhängig sind. Der Wert der Bestäubungsleistung ist das bis zu fünfzehnfache des Honigertrages und wird weltweit mit bis zu 500 Milliarden Euro beziffert, so der Referent. Die Honigbiene ist nach Rind und Schwein die drittwichtigste Tierart zur Sicherung unserer Ernährung. Es ist in unserem ureigensten Interesse, wenn wir diesen wichtigen Lebewesen dabei helfen zu überleben. Deutschland ist ein „Waldland“ mit einer über viele Generationen gepflegten Mischung aus Wald, Feld und Wiesen, das allen, sowohl den Bauern wie den Nutztieren, Vögeln, Wild und Insekten und auch einer großen Pflanzenvielfalt ein auskömmliches Leben ermöglichte. Die Politik mit ihrer unseligen Förderung von immer größer werdenden ausschließlich profitorientierten Agrar Unternehmern ist erfolgreich dabei das alles zu zerstören. Ein kleiner Lichtblick ist, dass langsam Gemeinden und ihre Bürger erkennen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wo es möglich ist, werden kleine Flächen, wenn oft auch zwangsweise als Ausgleich für Bau- oder Gewerbegebiete, wieder der Natur überlassen, die dann als Nahrungsflächen für Wild und Insekten bepflanzt werden können. Dies freilich ist kein Ersatz für die vielen verloren gegangenen Feldraine, Hecken, Wegränder und Straßenböschungen. Wir sollten deshalb versuchen alle sich bietenden Flächen mit Blütenpflanzen zu bestellen. Auch in den Ortschaften und Städten muss ein Umdenken erfolgen. Es gibt für jeden Standort und jede Umgebung geeignete Pflanzen und Saatgutmischungen. Wir müssen die Natur wieder in unsere Dörfer und Städte zurückholen, so der Referent. Aus Gärten können Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und Menschen werden. Vor allem Staudenbeete sind kostbare Anlagen, man kann nur staunen, was sich da an Leben rührt. Wir sollten uns nicht hinter leblosen Mauern, Wellblech Wänden oder Gabionenmauern verstecken, die sehr oft anderen unsere Abneigung signalisieren. Hier sind Heckensträucher bestimmt der schönere Zaun. Man sollte sich auch einen ordentlichen Baum im Garten gönnen, meinte der Referent. Die Freude daran hebt die oft befürchtete Arbeit mit dem Laubabfall im Herbst vielfach auf. Bürgermeister Alfred Paulus bedankte sich am Ende des Vortrags beim Referenten und betonte, dass die Gemeinde aktiv dabei sei, wo es geht, Blühflächen anzulegen. Dabei seien die Hinweise des Referenten auf besonders wichtige Pflanzen eine große Hilfe bei der Auswahl.

Foto: Der Referent bei der Vorstellung besonders empfehlenswerter Pflanzen