Theaterverein Mindelstetten feiert 30-jähriges Bestehen

(fj) Theater spielen hat in Mindelstetten eine lange Tradition. Mit Begeisterung wird heute noch von den Stücken berichtet, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen auf den Tanzböden beim Stegerhiasl und beim Strasswirt aufgeführt wurden. Für die Burschen und Mädchen boten die vorhergehenden Proben und späteren Aufführungen eine beliebte Gelegenheit sich näher zu kommen. Wie berichtet wird wurden diese gemeinsamen Unternehmungen wegen der Sündengefahr von den Pfarrherren oft kritisch gesehen. Dabei dürfte der Umstand, dass diese Aufführungen meist unter der Obhut des Kriegervereins liefen und Oberlehrer Ferdinand Köppl als absolute Autorität Regie führte ein wenig zur Beruhigung der Sittenwächter beigetragen haben.

In den Kriegsjahren kam das Theaterspielen zum Erliegen. Es fehlten die Akteure und die Leute hatten andere, größere Sorgen. Wenige Jahre nach Kriegsende erlebte das Theaterspiel unter seinem Mentor Peter Mendl, dem Organisator Josef Leierer und dem damals neuen Sportverein eine echte Blüte. Auf den beiden Tanzböden wurden Stücke wie „Andreas Hofer“, „Das Marterl am Auerberg“, „Gangerl von Berchtesgaden“, „S‘ Trauringl“ oder „Das Kreuz in der Klamm“ und andere mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei hatte man das Glück mit Josef Fochler, Fritz Lang und Richard Leierer drei versierte Bühnenschreiner, mit Hauptlehrer Helmut Müller einen Kulissenmaler, und mit Xaver Herzog sen. einen engagierten Spielleiter in den eigenen Reihen zu haben. Den Erlös aus diesen Aufführungen verwendete man zu legendären Ausflügen in’s Gebirge. Noch heute erinnern sich damals beteiligte, wie Josef Leierer (94) und Hermann Schindler (93), begeistert an eine Fahrt im Jahre 1948, mit Peter Mendl per Zugmaschine mit Anhänger von Mindelstetten nach Berchtesgaden und an den Königssee, die eine ganze Woche dauerte. Mit Lagerfeuer, Selbstversorgung und gemeinsamer Übernachtung im Einraum 32-Mann Zelt auf der Wiese war das ein unvergessenes Erlebnis. Als nächstes unternahm man eine Reise, diesmal bereits mit dem Bus zum Spitzingsee. Dabei versagte, für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich, der Bus seinen Dienst, so dass die Heimreise erst nach erfolgter Reparatur, angetreten werden konnte. Nach dieser Blütezeit beruhigte sich mit dem Aufkommen anderer Unterhaltungsmöglichkeiten die Theatereuphorie und kam langsam fast ganz zum Erliegen.

Der Gedanke das Theaterspielen wieder aufleben zu lassen gewann später aber zunehmend wieder Anhänger. Am 07. Juli 1985 konnte, angestoßen durch Helmut Hengl, beim Straßwirt im Beisein von Pfarrer Johann Bauer und Bürgermeister Emmeram Batz eine erste Besprechung mit dem Ziel einen Theaterverein zu gründen abgehalten werden.
Die Gründungsversammlung fand dann am 7. September 1985 im Gasthaus zur Post, „beim Straßwirt“ statt. Als Gründungsmitglieder trugen sich damals in die Liste ein: Pfarrer Johann Bauer, Elisabeth Bauer, Dieter Kastner, Johann Hengl, Johann Wiesinger jun. Franz Feigl jun. Helmut Hengl, Brigitte Hengl, Josef Feldmann, Anita Kundler, Johann Wuschko jun. Schmidt Lorenz sen. Ludwig Kundler, Franz Stadler, Richard Laubmann und Günther Dennl.

In die erste Vereinsführung wurden Ludwig Kundler als Vorsitzender, Anita Kundler als Stellvertreterin, Georg Treffer als Kassier und Anton Regensburger als Spielleiter berufen.
Heuer kann nun der Theaterverein Mindelstetten auf sein 30-jähriges Bestehen zurück blicken. Wie bei einem agilen Verein nicht ungewöhnlich kam es in diesen drei Jahrzehnten zu mehreren Wechseln in der Vereinsführung. Derzeit tragen die Verantwortung: Paul Wambach als Vorsitzender, Anne Schäffer als seine Stellvertreterin, Michael Golda als Kassier, Hannelore Fischer als Schriftführerin und Josef Jokl als Spielleiter. Damals unmittelbar nach der Vereinsgründung musste man, nachdem erste Euphorie sich gelegt hatte feststellen, dass ein fliegender Start nicht so einfach war. Es fehlte an Ausstattung und entsprechenden Räumlichkeiten, die nach und nach angeschafft und organisiert werden mussten. Trotzdem schaffte man es in den meisten Jahren ein Stück auf die Bühne zu bringen. Mit 14 Theaterstücken und sieben Sketche Abenden konnte man das Publikum in diesen drei Jahrzehnten begeistern. Heuer soll zum Jubiläum das ländliche Lustspiel „Der ledige Bauplatz“ in der Aula der Grundschule zur Aufführung kommen.

Aufführungstermine sind Freitag, 13. und Samstag, 14. November jeweils um 20 Uhr. Sonntag, 15. November 17 Uhr, sowie Freitag, 20. November und Samstag, 21. November auch jeweils um 20 Uhr.

Karten gibt es ab 1. November im Vorverkauf in der Tankstelle Schindler.

Foto: Szenenbild 1948 mit Hermann Schindler stehend 2. v. l. Und Josef Leierer vorne liegend